Nach den schweren Erdbeben im Jahr 2015 startete Street Child seine Arbeit in Nepal und unterstützte vor Ort gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen den Wiederaufbau des Bildungswesens in schwer betroffenen Gemeinden. Heute liegt der Schwerpunkt auf langfristigen Bildungsangeboten für gefährdete Bevölkerungsgruppen in verschiedenen Teilen des Landes.
In den vergangenen Jahren hat Nepal wichtige Fortschritte im Bildungsbereich erzielt. So liegt die Einschulungsrate laut UNICEF inzwischen bei 97 %. Trotzdem zeigt der Human Development Index (HDI), in dem Nepal derzeit Platz 143 von 189 Ländern belegt, dass weiterhin große Herausforderungen bestehen, insbesondere beim gleichberechtigten Zugang zu hochwertiger Bildung.
Viele Familien leiden noch immer unter den sozialen und wirtschaftlichen Folgen des landesweiten Covid-19-Lockdowns im Jahr 2020. Besonders betroffen waren marginalisierte Gemeinschaften und Angehörige sogenannter unterer Kasten, denen der Zugang zu Informationen, Hilfsangeboten und wichtigen Dienstleistungen häufig erschwert wurde.
Ländliche Regionen sind besonders gefährdet, insbesondere dann, wenn sie von Armut und landwirtschaftlicher Abhängigkeit geprägt sind. Hinzu kommen tief verwurzelte geschlechtsspezifische Ungleichheiten, die überwiegend Frauen und Mädchen betreffen. Schulabbrüche, Frühehen und geschlechtsspezifische Gewalt schränken ihre Möglichkeiten häufig zusätzlich ein. Während ein Großteil der Männer in Nepal lesen und schreiben kann, liegt die Alphabetisierungsrate von Frauen deutlich niedriger. Mehrheitlich Mädchen und Frauen aus ländlichen Regionen oder marginalisierten Gemeinschaften sind gefährdet, keinen Zugang zu Bildung zu erhalten.
Die Bewältigung der miteinander verbundenen Herausforderungen des Klimawandels, der Geschlechtergleichstellung und der Bildung ist entscheidend für die zukünftige Entwicklung Nepals.
257
Klassenzimmer in 107 Schulen wurden durch den Bau von semipermanenten oder temporären Lernräumen unterstützt.
10.306
Kinder erhielten Unterstützung bei der Einschulung und beim Zugang zur Schule.
87.975
Kinder erhielten durch unsere Programme Unterstützung, darunter auch Kinder aus der Musahar-Gemeinschaft, die zu den am stärksten marginalisierten Gemeinschaften weltweit zählt.
Viele Familien in abgelegenen Regionen Nepals leben mit geringem Einkommen und haben nur eingeschränkten Zugang zu Gesundheitsversorgung, Bildung und grundlegenden Lebensbedingungen. Besonders betroffen sind Gemeinden, die zusätzlich unter den Folgen von Naturkatastrophen leiden.
Street Child Nepal engagiert sich deshalb gezielt in schwer erreichbaren und besonders betroffenen Regionen, um marginalisierte Gemeinschaften zu unterstützen. Ein Schwerpunkt der Arbeit liegt in der Provinz Madhesh, in der ein großer Teil der Bevölkerung von Armut betroffen ist. Darüber hinaus ist Street Child auch in der Provinz Karnali aktiv.
Mit dem Projekt She Leads unterstützt Street Child Dalit-Mädchen und junge Frauen, die häufig von sozialer Ausgrenzung und wirtschaftlicher Benachteiligung betroffen sind. Das Projekt knüpft an die Erfahrungen aus den Programmen Breaking the Bonds I und II an. Bereits im Vorgängerprojekt Breaking the Bonds II wurden 407 verheiratete junge Dalit Frauen und Mädchen begleitet. Insgesamt konnten sie im Laufe des Programms ihre Lesekompetenz um 47,3% verbessern.
Mit She Leads erhalten nun 700 Dalit-Mädchen und junge Frauen in der Provinz Madhesh Unterstützung in den Bereichen Finanzbildung, Lebenskompetenzen und Einkommenssicherung. Die Teilnehmerinnen sind zwischen 15 und 24 Jahre alt, viele von ihnen sind verheiratet und haben Kinder. Gleichzeitig sind sie häufig von kastenbasierter Diskriminierung, eingeschränktem Zugang zu Bildung und begrenzten wirtschaftlichen Möglichkeiten betroffen. Besonders im Distrikt Dhanusha in der Provinz Madhesh sind viele Dalit-Mädchen weiterhin von Bildungsungleichheit und Gewalt betroffen, nur 4% der Dalit-Mädchen waren alphabetisiert und 60% von ihnen erlebten im Laufe ihres Lebens Gewalt. Gemeinsam mit der Janaki Women’s Awareness Society (JWAS) unterstützt Street Child deshalb den Aufbau von Kleinunternehmen und einkommensschaffenden Aktivitäten. Die Teilnehmerinnen erhalten dafür praktische Unterstützung sowie Zugang zu wichtigen Werkzeugen und Ressourcen, um ihre wirtschaftliche Selbstständigkeit zu stärken.
Ziel des Projekts ist es, langfristige Perspektiven für Dalit-Mädchen und junge Frauen zu schaffen und zugleich zu einem nachhaltigen sozialen Wandel in den Regionen beizutragen.
Die Folgen wiederkehrender Naturkatastrophen erschweren in Nepal vielerorts den Zugang zu Bildung. Deutlich wurde dies nach den schweren Erdbeben im Jahr 2015, durch die mehr als 35.000 Klassenzimmer zerstört wurden und rund eine Million Kinder ihr Zuhause verloren. Vor allem in ländlichen und bergigen Regionen beeinträchtigen die Auswirkungen den Bildungsbetrieb bis heute.
Um Schulen besser auf solche Herausforderungen vorzubereiten, entwickelt Street Child gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen ein Green School Modell. Der Fokus liegt auf Umweltbildung, Nachhaltigkeit sowie der Weiterbildung von Schulleitungen und Lehrkräften, damit Schulen langfristig besser mit den Folgen von Klimakatastrophen umgehen können.
Mit dem Projekt „Build the Basics“ unterstützt Street Child gemeinsam mit der lokalen Partnerorganisation Aasaman Nepal Kinder dabei, Lernrückstände infolge der Covid-19-bedingten Schulschließungen aufzuholen. Ziel des Projekts ist es, die Grundbildung von rund 36.000 Kindern an 600 staatlichen Schulen in Nepal zu stärken. Dafür erhalten 1.800 Lehrkräfte Schulungen und zusätzliche Lernmaterialien, um langfristig bessere Lernbedingungen zu schaffen.
Im Mittelpunkt steht dabei die Vermittlung grundlegender Lese-, Schreib- und Rechenfähigkeiten. Durch den Ansatz „Teaching at the Right Level“ werden Unterrichtsinhalte an den jeweiligen Lernstand der Kinder angepasst, dadurch ist eine gezielte Förderung und eine individuelle Förderung möglich.
Die bisherigen Ergebnisse zeigen schon deutliche Fortschritte. Zu Beginn des Alphabetisierungsprogramms konnten 16,52% der Kinder noch keine Buchstaben erkennen. Innerhalb eines Jahres sank der Anteil dieser Schüler:innen auf 0,28%.
Darüberhinaus setzt sich das Projekt für langfristige Investitionen in hochwertige Bildung ein, damit die erreichten Verbesserungen nachhaltig bestehen bleiben und Kinder dauerhaft bessere Bildungschancen erhalten.