NIGERIA
Die anhaltende Gewalt im Nordosten Nigerias wirkt sich stark auf das Leben vieler Familien aus. Seit Jahren führen bewaffnete Gruppen Angriffe auf Gemeinden und Bildungseinrichtungen durch, wodurch zahlreiche Schulen schließen mussten und viele Menschen ihr Zuhause verloren haben. Zusätzlich sorgen organisierte kriminelle Gruppen, vor Ort häufig als „Banditen“ bezeichnet mit Überfällen und Entführungen für anhaltende Unsicherheit, besonders in abgelegenen Regionen.
Inzwischen leben in Nigeria mehr als 3,3 Millionen Binnenvertriebene, darunter viele Kinder. Zahlreiche Familien suchen Schutz in Gemeinden, die selbst nur über begrenzte Ressourcen verfügen. Dadurch wird der Zugang zu Bildung, insbesondere über die Grundschule hinaus, zusätzlich erschwert.
Insgesamt besuchen in Nigeria rund 10,5 Millionen Kinder im Alter von fünf bis 14 Jahren keine Schule, das entspricht einem Fünftel aller Kinder weltweit. Besonders Mädchen stehen dabei vor großen Herausforderungen. Gesellschaftliche und wirtschaftliche Belastungen führen häufig dazu, dass die Bildung von Jungen Vorrang erhält. Viele Mädchen bleiben zu Hause, übernehmen Betreuungsaufgaben oder tragen durch Arbeit zum Familieneinkommen bei. Dadurch verlieren sie nicht nur Bildungschancen, sondern sind oft auch stärker von Ausbeutung und Missbrauch betroffen.
Auch Armut bleibt ein zentrales Hindernis für den Schulbesuch. Viele Familien können Schulgebühren, Uniformen oder Lernmaterialien nicht finanzieren. Gleichzeitig sind zahlreiche Kinder gezwungen zu arbeiten, um ihre Familien zu unterstützen, was ihre Bildungschancen zusätzlich einschränkt.
510
Klassenzimmer in 64 Schulen wurden durch Renovierungen oder Neubauten unterstützt.
24.850
Erwachsene wurden durch Zuschüsse für Familienunternehmen, Maßnahmen zur Sicherung des Lebensunterhalts sowie psychosoziale Begleitung.
277.800
Kinder erhielten durch unsere Programme Unterstützung – unter anderem durch Einschulungen, Schutzangebote und die Verbesserung der Lernbedingungen.
Seit 2016 engagiert sich Street Child im Nordosten Nigerias, um Kinder und Familien zu unterstützen, die von Gewalt und Vertreibung betroffen sind. Ziel ist es, Kindern Schutz, Bildung und sichere Lernmöglichkeiten zu bieten.
Dabei verfolgt Street Child einen ganzheitlichen Ansatz, der über den Zugang zu Bildung hinausgeht. Besonders gefährdete Kinder und Familien erhalten gezielte Unterstützung, während gleichzeitig sichere und unterstützende Strukturen innerhalb der Gemeinden gestärkt werden.
In Zusammenarbeit mit nationalen Partnerorganisationen setzt Street Child seine Programme in den Bundesstaaten Borno, Adamawa und Yobe um, dies sind Regionen, die stark von Konflikten und Vertreibung betroffen sind.
Im Rahmen des dreijährigen Programms „Education Cannot Wait Multi-Year Resilience Programme“ (MYRP) fördert Street Child gemeinsam mit Partnerorganisationen Kinder in den Bundesstaaten Borno, Adamawa und Yobe beim Zugang zu Bildung und psychosozialer Unterstützung.
Das Programm unterstützt hochwertige und inklusive Bildungsangebote, diese reichten von der frühkindlichen Förderung bis hin zur Grund- und Sekundarschulbildung.
Mit dem Programm „Education For Every Child Today“ (EFECT) setzt Street Child ihr bislang größtes Bildungsprogramm um. Das vierjährige Projekt wird gemeinsam mit „Educate A Child“ (EAC), einem globalen Programm der Stiftung „Education Above All“ (EAA), durchgeführt und vom Qatar Fund for Development unterstützt.
Ziel des Programms ist es, 96.000 Kinder in Nigeria, Liberia und Sierra Leone, die derzeit keine Schule besuchen, langfristig zurück in das Bildungssystem zu begleiten. Dabei geht das Programm über die reine Einschulung hinaus. Neben der Förderung von Lernangeboten werden auch Lehrkräfte weitergebildet sowie Eltern und Betreuungspersonen durch berufliche Qualifizierung und Maßnahmen zur Sicherung des Lebensunterhalts unterstützt.
Der ganzheitliche Ansatz von Street Child verbindet Bildung, Kinderschutz und die Sicherung von Existenzgrundlagen, um Familien langfristig zu stärken. Wichtig dabei ist es Einkommen zu stabilisieren und bessere Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass Kinder dauerhaft lernen können.
Im Rahmen des preisgekrönten Programms „Family Business for Education“ unterstützt Street Child Familien dabei, kleine Unternehmen aufzubauen oder weiterzuentwickeln. Dafür erhalten Eltern und Betreuungspersonen Schulungen sowie Anschubfinanzierungen. In Nigeria konnten auf diese Weise bereits mehr als 1.280 Haushalte mit Zuschüssenkapital für Familienunternehmen unterstützt werden.
Das Programm unterstützt Familien dabei, ihr Einkommen eigenständig zu sichern und die Ausbildung ihrer Kinder zu finanzieren. Dadurch trägt es dazu bei, Armut zu verringern und den langfristigen Schulbesuch von Kindern zu fördern.
Um die Inklusion und das Empowerment von Menschen mit Behinderung zu stärken arbeitet Street Child im Nordosten Nigerias mit einer Vielzahl lokaler Partnerorganisationen zusammen.
Das Projekt unterstützt mehr als 11.000 Menschen und sichert dadurch ihre uneingeschränkte Teilhabe an der Gesellschaft. Dabei liegt der Fokus auf vorbeugende und unterstützende Angebote für Frauen, Mädchen und Kinder mit Behinderungen, die von Gewalt, Missbrauch, Diskriminierung oder Ausbeutung betroffen sind.
Darüber hinaus setzt sich Street Child für ein größeres Bewusstsein und das Beenden von Gewalt, Missbrauch und schädliche traditionelle Praktiken gegenüber Menschen mit Behinderungen zu ein.
Der Schwerpunkt von Street Child liegt bei der sozialen Wiedereingliederung von Kindern und Frauen, die bewaffnete Gruppen verlassen haben oder Opfer von geschlechtsspezifischer Gewalt in Nigeria sind.
Gemeinsam mit Regierungsbehörden, Gemeindevorstehenden und Partnerorganisationen setzt sich Street Child dafür ein, den Schutz und die Rechte von Betroffenen zu stärken und Verantwortliche zur Rechenschaft zu ziehen. Im Mittelpunkt steht dabei die soziale Reintegration in ihre Gemeinschaft und die Rückkehr in ein sicheres und selbstbestimmtes Leben.
Durch Bildungsangebote, psychosoziale Unterstützung, friedensfördernde Aktivitäten und den Austausch innerhalb der Gemeinden begleitet Street Child Betroffene auf ihrem Weg zurück in den Alltag.
Besonders schutzbedürftige Kinder erhalten Zugang zu Bildung, psychosozialer Betreuung und beruflicher Ausbildung, damit sie langfristige Perspektiven entwickeln und eine nachhaltige Integration möglich ist.